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Zur Analyse des Subjektsbegriffs

Von Bronislaw Wladislaus Switalski

Sunt enim et istae plangendae tenebrae,
in quibus me latet facultas mea, quae in me est,
ut animus meus de viribus suis ipse se interrogans
non facile sibi credendum existimet.
S. Aug. Conf. X 32.

Im Erkenntnisakte wird ein erkennendes Subjekt mit dem zu erkennenden Objekt in eine eindeutige allgemeingiltige Beziehung gesetzt; und zwar wird diese Beziehung dadurch allgemeingiltig, das das Subjekt sich bemüht, allseitig und unter Ausschaltung störender Einflüsse über die Gliederung des Objekts und den gesetzmäßigen Zusammenhang seiner Bestandteile sich zu orientieren. Daß zu diesem Zwecke eine Fixierung der zu erforschenden Objekte, eine Heraushebung des Beharrlichen und Gemeinsamen in ihrer stetig wechselnden Mannigfaltigkeit und endlich eine sorgfaltige Bestimmung der Ordnungen erforderlich ist, in die das betrachtete Objekt seinen verschiedenen Seiten nach hineingehört, ist im modernen Wissenschaftsbetriebe allgemein anerkannt. Auch das ist nicht unbekannt, daß das erkennende Subjekt auf selbstgewählten Wegen und mit eigenen Mitteln — „subjektiv" — dem angedeuteten Erkenntnisziele sich zu nähern sucht. Aber diese Tatsache, deren Feststellung der neuzeitlichen Philosophie ihren spezifischen Charakter aufgeprägt hat, ist noch lange nicht in ihrer vollen Tragweite erkannt und gewürdigt. Daher die Mißverständnisse, die immer von neuem bei dem Gebrauche des Subjektivitätsbegriffs mit unterlaufen: auch heute noch wird der Beitrag des Subjekts zum Zustandekommen der Erkenntnis teils unterschätzt, teils ungebührlich übertrieben. Man reflektiert eben nicht zur Genüge über die Bedeutung des Subjekts als eines wichtigen Erkenntnisfaktors. Meist begnügt man sich mit dem Hinweis auf das selbstverständlich erscheinende Ich-Erlebnis: Während die einen dabei nicht im stande sind, das erlebte „Ich", das sie unbedenklich mit dem Erkenntnis-Subjekt identifizieren, von seiner empirischen Ausgestaltung zu sondern, schälen andere, kritischer gesinnt, im Begriff des Erkenntnis-Subjekts sorgfältig die Subjektbestimmtheit, den Charakter des „Sich-Gegenüberstellens" und „Aufeinanderbeziehens" des zu Erkennenden, heraus; sie kommen so zu einem Subjektbegriff, dem als dem „reinen Ich" nichts Empirisches, nichts Konkretes und Individuelles mehr anhaftet. Jene deuten die Mitarbeit des Erkennenden an der Erkenntnis im unklar subjektivistischen Sinne aus: Die nicht weiter analysierte und deshalb keineswegs eindeutig bestimmte Naturausstattung des empirischen Subjekts wird gleichsam als der Käfig betrachtet, in dem wir bei unserem Erkennen eingeschlossen sind, so daß wir zur Erfassung des Nicht-Subjektiven, also zu dem, was das Erkennen eigentlich bezweckt, nicht vordringen können. Diese, die Vertreter des transzendentalen Idealismus, stempeln das „Ich" zum eigentlichen Quell und sozusagen zum schöpferischen Bestimmungsgrund alles Wissens: Das „reine Ich” ist autonom, auf sich selbst gestellt. Alles Andere ist nur „sein" Gegenstand, insofern die konstitutiven Merkmale dieses „Anderen" aus Setzungen des „reinen Ichs" abzuleiten sind. Das Erkenntnisganze, die „Wissenschaft" in idealer Bedeutung, ist das bis ins Einzelne hinein durchsichtige System von Vernunftsetzungen des „Ichs" zum Behufe der einsichtigen Vergegenwärtigung der Erfahrungswirklichkeit als eines vernunftgemäß notwendigen Zusammenhanges.

Man sieht, das „reine Ich" hat mit dem „Ich" der Subjektivisten nichts mehr als den Namen gemein; und doch wird es nur allzuhäufig mit dem empirischen Subjekt zusammengeworfen! Aus dieser Vermengung der Autonomie mit der subjektivistischen Relativität entsteht geradezu ein „gordischer Knoten" erkenntniskritischer Schwierigkeiten: Wie soll sich denn auch die Absolutheit des postulierten „reinen Ichs" und die logische Durchsichtigkeit seiner Setzungen mit der offenkundigen Bedingtheit des empirischen Subjekts und mit dem problematischen Charakter seiner Betätigungen in eins setzen lassen! Sollte es da nicht näher liegen, mit bewußter Ablehnung des auf solche Irrpfade uns führenden Subjektivismus dem extremen Objektivismus zu huldigen und den Beitrag des Subjekts zum Erkenntnisaufbau konsequent zu ignorieren? Der Positivismus ist eine der radikalsten Formen dieser naiv realistischen Interpretation des Erkennens. So verständlich es nun auch ist, daß eine derartige Leugnung aller Subjektivität als Gegengewicht gegen die Irrungen und Wirrungen eines kritiklosen Subjektivismus sich Geltung zu verschaffen sucht, so wenig begründet und berechtigt ist auch dieses Extrem. Um eine allseits befriedigende Lösung des Problems der Subjektivität anzubahnen, muß eben möglichst unbefangen, also ohne jedes polemische Interesse, der Subjektbegriff selbst durch Analyse der in ihm enthaltenen, für die Erkenntnisgewinnung wichtigen Momente geklärt werden. Einen Beitrag zu dieser Klärung soll die vorliegende Studie liefern, indem sie die Begriffspaare: Erkenntnissubjekt und Ichbewußtsein, Bewußtseins-Subjekt und Wirklichkeit, empirisches und absolutes Subjekt vom logischen Gesichtspunkte aus unter Zuhilfenahme psychologischer Erfahrungen genauer zu bestimmen unternimmt.

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