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Das Leben des heiligen Franz Xaver

Von Wolfgang Reithmeier, bearbeitet von Joseph Firnstein und Paolo D'Angona

Erstes Kapitel

Geburt und Erziehung des heiligen Franz Xaver. - Seine natürlichen Eigenschaften. - Seine Studien. Seine Bekehrung und Vereinigung mit dem heiligen Ignatius

Franz Xaver wurde am 7. April im Jahre 1506 auf dem Schlosse Xavier, zwei Stunden von Pamplona, der Hauptstadt des ehemaligen Königreichs Navarra, geboren. Sein Vater war Don Johann Jasso, einer der ausgezeichnetsten Staatsräte Johanns III. von Aragonien. Seine Mutter hieß Maria Azpilcuete y Xavier und war die Erbin der beiden berühmten Häuser Azpilcuete und Xavier. Sie hatten mehrere Söhne, wovon die älteren den Beinamen Azpilcuete trugen, der jüngste aber, Franz, den Namen Xavier, damit der berühmte Name Xaver, der nur noch in der Mutter fortlebte, mit ihr nicht erlöschen möchte.

Die Vorsehung, welche Franz Xaver zur Bekehrung zahlloser Völker bestimmt hatte, gab ihm alle notwendigen Eigenschaften und Kräfte, welche das Amt eines Apostels erfordert. Er hatte einen starken Körperbau, ein lebhaftes und feuriges Temperament, einen hohen Geist, der fähig war, das Größte zu unternehmen, einen unerschrockenen Mut, ein gefälliges Äußeres, eine einnehmende Heiterkeit und Liebenswürdigkeit; er hatte einen sehr großen Abscheu gegen alles, was die Reinheit des Herzens verletzen könnte, dabei aber eine besondere Neigung und Liebe zu den Wissenschaften. Seine Eltern, die ein christliches Leben führten, flößten ihm die Furcht Gottes schon von früher Kindheit an ein und verwandten auf seine Erziehung eine besondere Sorgfalt. Seine Liebe zur Wissenschaft war auch zur Zeit, als es galt, sich für einen Stand zu entscheiden, das siegende Element über die bei seinen Brüdern ihm vorleuchtende militärische Laufbahn, und so wählte er für sich die wissenschaftliche Ausbildung. Da Gott ihm eine leichte Auffassungsgabe, ein treues Gedächtnis und einen durchdringenden Verstand verliehen hatte, so machte er in verhältnismäßig kurzer Zeit nennenswerte Fortschritte.

Sobald er sich die erforderlichen Kenntnisse erworben hatte, schickten ihn seine Eltern nach Paris auf die Hochschule, die damals für die beste von ganz Europa gehalten wurde und wohin der junge Adel von Spanien, Deutschland und Italien sich begab, um geistige Bildung zu erwerben.

Er kam in seinem achtzehnten Lebensjahr nach Paris, wo er zunächst Philosophie studierte. Man kann kaum glauben, mit welchem Eifer er die ersten Schwierigkeiten der Logik überwand. Selbst die spitzfindigsten und langweiligsten Untersuchungen ermüdeten ihn nicht; seine natürlichen Anlagen entwickelten sich, sein Urteil wurde geschärft; alle seine Mitschüler suchte er zu übertreffen.

Xaver war nur darauf bedacht, ein ausgezeichneter Philosoph zu werden, als ihn sein Vater zurückrufen wollte, nachdem er kaum zwei Jahre seinem Studium gewidmet hatte. Diese Absicht teilte er jedoch, ehe er sie ausführte, seiner Tochter Magdalena Jasso mit, die als Äbtissin dem Klarissenkloster zu Gandia vorstand. Diese Magdalena, ehemals die beliebte Hofdame der Königin Isabella, hatte das Hofleben mit dem Kloster vertauscht und ein sehr strenges Leben während ihres Noviziates geführt, so daß sie von Gott viele Gnaden und Offenbarungen erhielt. Schon in den ersten Jahren ihres Klosterlebens zeigten sich an ihr Spuren prophetischer Gabe, so sichtbar, daß man nicht mehr zweifeln konnte, sie sei vom Geiste Gottes durchdrungen.

Sechs Jahre vor ihrem Tode erhielt sie den Brief über die Abberufung Xavers von ihrem Vater. Kaum hatte sie ihn erhalten, als sie von Gott über den Inhalt erleuchtet wurde, und diesem göttlichen Lichte folgend dem Vater antwortete: er solle sich, so viel auch der Unterhalt ihres Bruders Franz auf der Universität kosten möge, wohl hüten, ihn von dort abzuberufen; denn Franz sei ein Auserwählter, bestimmt der Apostel Indiens und eine der stärksten Säulen der Kirche zu werden. Don Jasso nahm die Antwort seiner Tochter als einen Ausspruch des Himmels an, und dachte nicht mehr daran, seinen Sohn von der Universität zu nehmen. Xaver setzte seine Studien in der Philosophie fort, nach deren Vollendung er den Magistergrad erlangte, so daß er nun selbst Vorlesungen in Philosophie halten konnte. Nun hatte er seine Laufbahn begonnen, um Ehre und Lob zu ernten. Auf menschliches Lob war er stolz und er setzte seinen Ruhm darein, sich in den Wissenschaften auszuzeichnen, während seine Brüder durch Heldenmut die Ehre ihres Hauses zu vergrößern suchten.

Aber Gott hatte andere Absichten als Xaver. Nicht um eitle, vergängliche Ehre zu erlangen, hatte er seine wissenschaftliche Bildung in Paris erhalten. Gerade als Xaver seinen philosophische Kurs eröffnete, kam Ignatius von Loyola nach Paris und wohnte in dem Collegium der heiligen Barbara, wo auch Xaver und Lefebre (Peter Faber) wohnten. Der heilige Ignatius, der sich mit dem Gedanken trug, eine Vereinigung von Männern zu gründen, um mit ihnen am Seelenheil des Nächsten zu arbeiten, suchte diese beiden jungen Männer, die ihm für seinen Plan tauglich schienen, zu gewinnen. Auf Peter Faber konnte er leicht einwirken, weil dieser ohnehin keine Anhänglichkeit an die Welt hatte; schwerer war es ihm, auf Franz Xaver Einfluß auzuüben, der, voll ehrgeiziger Gedanken, mit Verachtung den Vorschlag des heiligen Ignatius verwarf, ja, er spottete sogar bei jeder Gelegenheit über die ärmliche Lebensweise und hielt sie für ein Zeichen einer niedrigen Seele. Aber Ignatius ertrug seinen Spott mit Geduld und gab seinen Gedanken, Xavers Herz umzustimmen, nicht auf. Bei jeder Gelegenheit erinnerte er Xaver an die Worte unseres Heilandes: "Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne, aber an seiner Seele Schaden litte?" Xaver jedoch war gegen diese Worte gleichgültig. Weil also Ignatius sah, daß er auf diese Weise nichts erreichen konnte, schlug er einen anderen Weg ein und griff ihn auf seiner schwächsten Seite an. Er lobte bei jeder Gelegenheit die ausgezeichneten Talente Xavers, schien sich über dieselben zu freuen und gab sich Mühe, ihm Schüler zu verschaffen, indem er junge Leute bis zum Hörsaal führte. Xaver war besiegt. Von diesem Augenblick an betrachtete er Ignatius mit anderen Augen. Bald zeigte sich eine Gelegenheit, wo ihm Ignatius eine Gefälligkeit erweisen konnte. Xaver kam in Geldverlegenheit; Ignatius, der eben von einer Reise aus England und Flandern zurückgekehrt war, gab ihm aus dem erhaltenen Almosen eine Unterstützung und gewann dadurch das Herz des jungen Mannes. Auch hatte dieser die Abkunft des Ignatius in Erwägung gezogen und bald erkannt, daß er aus einem höheren Beweggrund diese Lebensweise ergriffen habe.

Die Lutheraner suchten damals besonders auf der Universität von Paris die geistreichtsten jungen Leute zu gewinnen; sie hatten dazu geheime Proselytenmacher zu Paris, um im Verborgenen ihre Irrtümer unter den Studierenden zu verbreiten. Xaver fand Wohlgefallen an den neuen Meinungen. Er würde sich ihnen hingegeben haben, hätte ihn nicht Ignatius davor zurückgehalten. Er selbst sagt es uns in einem Brief an seinen älteren Bruder Don Azpilcuete. Der Brief ist datiert vom 25. März 1535. In diesem Jahr reiste Ignatius nach Spanien, wohin ihm Xaver den Brief als Empfehlungsschreiben mitgab. In diesem erwähnt er mit Dankbarkeit Ignatius' Opferbereitschaft, mit der er alle finanziellen Verlegenheiten, in die Xaver geraten war, bereinigte, und fährt dann fort: "Aber ungleich wichtiger als alles dieses ist die Sorge, womit er (Ignatius) meine unvorsichtige Jugendlichkeit vor dem sicheren Verderben bewahrte, das mir durch den Umgang mit ketzerisch gesinnten Männern drohte. Gegenwärtig befinden sich nämlich auf der Universität in Paris viele solche junge Leute in meinem Alter, die mit herrlichen Geistesgaben ausgestattet sind und, im Umgang überaus angenehm, unter dieser schönen Außenseite ihre Glaubens- und Sittenlosigkeit verbergen. Er allein hat mich in meiner jugendlichen Unerfahrenheit vor dem Gift dieser falschen Freundschaften bewahrt; er hat mich auf ihre Werke der Finsternis aufmerksam gemacht; seiner Liebe allein verdanke ich es, dieser schrecklichen Gefahr entronnen zu sein. Falls es in meiner Macht stünde, würde ich dieses Glück mit dem Preis der ganzen Welt, wie ich glaube, nicht teuer genug erkauft haben. Schuldete ich dem Magister Ignatius keine andere Wohltat, so wäre diese allein so groß, daß ich nicht einsehe, wie und wann ich sie durch die Tat in würdiger Weise erwidern, oder auch nur durch meine Dankbarkeit einigermaßen vergelten könnte. Denn ohne diese Dazwischenkunft wäre ich nie den Verbindungen mit diesen jungen Leuten entgangen, deren Äußeres zwar einnehmend, deren Inneres aber vom Gift des Lasters und der Häresie angesteckt war, wie ihr Betragen und die Ereignisse in der Folge es bewiesen."

Eines Tages fand Ignatius den Xaver offener und empfänglicher für das Gute als gewöhnlich, und da wiederholte er ihm die Worte: "Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne, aber an seiner Seele Schaden litte?" Dann wies er ihn darauf hin, daß ein so edles Herz sich nicht darauf beschränken dürfe, nach den eitlen Ehren der Welt zu streben, sondern nach der himmlischen Weisheit, welche der einzige würdige Gegenstand eines treuen Dieners sei. Selbst der gesunde Verstand gebiete, das ewig Dauernde einem Traumbild vorzuziehen.

Xaver fühlte, erschüttert durch den heiligen Ernst seines Lehrers, die Nichtigkeit aller irdischen Größe, und ein Funke der Liebe zu den himmlischen Gütern fing an, in seinem Herzen aufzukeimen. Aber nicht sogleich hatte die Gnade den Sieg davongetragen. Erst nach langen inneren Kämpfen und reiflicher Überlegung entschloß er sich, sein Leben nach den strengen Anforderungen des Evangeliums zu ordnen und in den Fußpuren desjenigen zu wandeln, der ihn seine Verirrungen kennen gelehrt hatte.

Er übergab sich nun der Leitung des heiligen Ignatius, der ihn auf dem Weg der Vollkommenheit schnell vorwärts führte. Er lernte zuerst seine vorherrschende Leidenschaft bekämpfen, und da er wußte, daß er sich bisher der eitlen Ruhmbegierde hingegeben hatte, bemühte er sich, weil er sein Nichts und seine Sünden vor Gott erkannte, sich zu demütigen und gering zu schätzen. Seinen stolzen Geist bändigte er durch Kasteiung seines Fleisches, seinen Leib durch Bußgürtel, Fasten und andere strenge Übungen.

Als die Ferienzeit herangekommen war, machte er die geistlichen Übungen nach der Anleitung des heiligen Ignatius mit solchem Eifer, daß er, zurückgezogen von den Zerstreuungen der Welt, vier ganze Tage ohne Speise zubrachte. Sein Geist war Tag und Nacht mit himmlischen Dingen beschäftigt, betrachtete mit beharrlichem Eifer die großen Wahrheiten des Christentums, besonders die Geheimnisse der Menschwerdung Christi und das Werk der Erlösung nach dem Exerzitienbüchlein des heiligen Ignatius, so daß er in einen anderen Menschen umgewandelt schien. Die Demut des Kreuzes erschien ihm liebenswürdiger als alle Herrlichkeit der Welt. Vermöge dieser neuen Stimmung wurde es ihm leicht, ein ehrenvolles und einträgliches Kanonikat in Pamplona auszuschlagen, das man ihm angetragen hatte. In der Einsamkeit bildete er erst den festen Entschluß aus, Gott auf allen möglichen Wegen zu verherrlichen und sein ganzes Leben dem Seelenheil des Nächsten zu weihen.

Nachdem er seinen philosophischen Kurs, der nach damaligem Gebrauch dreieinhalb Jahre dauerte, vollendet hatte, begann er auf den Rat des heiligen Ignatius mit dem Studium der Theologie.

Ignatius eröffnete ihm inzwischen den Entschluß, in das Heilige Land zu reisen, um an der Bekehrung der Juden und Ungläubigen zu arbeiten. Außer Peter Faber hatte Ignatius bereits noch vier Andere für seinen Plan gewonnen. Alle sieben faßten nun einstimmig den Entschluß, sich durch ein ausdrückliches Gelübde zu verpflichten, alle Güter zu verlassen und die Reise nach Jerusalem zu machen; falls sie aber innerhalb eines Jahres keine Gelegenheit fänden, sich einzuschiffen, so würden sie sich dem Papst zu Füßen werfen, ihm ihre Dienste für die Kirche anbieten und die Bereitwilligkeit erklären, überall hinzugehen, wohin sie zu senden ihm gefiele. Dieses Gelübde legten sie am Feste der Himmelfahrt Mariä im Jahre 1534 auf dem Montmartre ab. Die Heiligkeit dieses Ortes, der vom Blut der Martyrer getränkt ist, machte auf Franz Xaver einen solchen Eindruck, daß in ihm die Sehnsucht entstand, seinen Heiland als Martyrer verherrlichen zu können.

Zweites Kapitel

Franz Xaver reist nach Venedig - Seine Reise nach Rom - Seine Einsamkeit, seine erste heilige Messe - Xaver wird krank, sein Aufenthalt in Bologna - Er wird zum Missionar in Indien ernannt - Seine Reise nach Lissabon - Aufenthalt daselbst

Nachdem alle Gefährten des heiligen Ignatius im nächsten Jahr ihre theologischen Studien vollendet hatten, reisten sie am 15. November 1536 von Paris ab, um sich nach Venedig zu begeben, wo sie verabredungsgemäß Pater Ignatius treffen sollten, der schon früher, um Geschäfte in der Heimat zu ordnen, nach Spanien abgereist war. Kurz vor der Abreise hatte sich Xaver, den sein Eifer manchmal zu weit trieb, seine Arme und Schenkel mit dünnen Schnüren gebunden, um für sich für jene Regung der Eitelkeit zu bestrafen, die ihn bei der Erinnerung, die jungen Leute seines Alters im Laufen und Springen übertroffen zu haben, angewandelt hatte. Er glaubte nicht, daß ihn diese Schnüre im Gehen hindern würden; indes bald schwollen ihm die Beine an, und die Schnüre drangen so tief in das Fleisch ein, daß man sie kaum mehr sehen konnte. Den dadurch verursachten Schmerz ertrug er mit viel Geduld; jedoch bald konnte er nicht mehr weitergehen; die Ursache seines Unwohlseins konnte nun nicht mehr verborgen bleiben. Seine Gefährten riefen einen Wundarzt herbei, dieser aber erklärte, das Übel sei unheilbar, denn die Einschnitte, die man machen könnte, würden die Schmerzen nur vermehren. Peter Faber, Laynez und die Anderen verbrachten die Nacht im Gebet, und schon am nächsten Morgen fand Xaver beim Erwachen die Schnüre abgefallen und die Schenkel frei von jeder Geschwulst; nur die Male von den Schnüren waren noch sichtbar. Alle dankten Gott für die wunderbare Heilung und setzten trotz der rauhen Winterzeit ihre Reise weiter fort. Inzwischen nahm Xaver jede Gelegenheit wahr, seinen Gefährten zu dienen und ihnen Liebesdienste zu erweisen. So wanderten sie durch Lothringen und durch Deutschland zu Fuß über die Alpen nach Italien.

Am 8. Januar 1537 kamen sie in Venedig an, wo sie zu ihrer größten Freude Pater Ignatius antrafen. Sie verteilten sich dort in die Spitäler der Stadt, um die Kranken zu pflegen, bis sie eine Gelegenheit finden würden, in das Heilige Land zu reisen. Unserem Xaver wurde das Spital der Unheilbaren zugeteilt. Bei Tag verband er die Wunden der Kranken, richtete ihnen die Betten und erwies ihnen alle Dienste, die ihm die Liebe eingab; die Nacht hindurch gönnte er sich nur wenig Ruhe, die übrige Zeit brachte er, wie sein Heiland, im Gebete zu. Nicht bloß in körperlichen Leiden unterstützte er die Kranken, sondern bemühte sich auch, obwohl der Landessprache unkundig, mit ihnen von Gott und göttliche Dingen zu reden, ermahnte Leichtsinnige zur Buße, indem er ihnen begreiflich zu machen suchte, daß, wenn auch ihre leiblichen Krankheiten unheilbar wären, die Gebrechen ihrer Seelen es nicht seien, und daß, wie groß die Sünden auch sein mögen, die wir begangen haben, wir doch jederzeit auf die Barmherzigkeit Gottes vertrauen sollen. Eine besondere Vorliebe hatte er für diejenigen, die mit ekelhaften Krankheiten angesteckt waren. Einer dieser Unglücklichen hatte ein schauderhaftes Geschwür, dessen Geruch unerträglich war. Niemand wagte es, sich dem Unglücklichen zu nähern. Xaver selbst fühlte einen großen Abscheu, als er ihn bedienen sollte. Aber er erinnerte sich der Lehre des Ignatius, daß man nur so weit in der Tugend Fortschritte mache, wie man sich selbst überwinde, und daß man die Gelegenheit, Gott ein großes Opfer zu bringen, nicht ungenutzt vorübergehen lassen dürfe. Er faßte Mut, näherte sich dem Kranken, umarmte ihn, drückte den Mund auf das Eitergeschwür und sog den Eiter heraus. In demselben Augenblick war der Ekel überwunden, und dieser einmal errungene Sieg über sich selbst befreite ihn für immer davon und erlangte ihm die Gnade, gegen nichts mehr Ekel zu empfinden.

Zwei Monate hatte unser Franz Xaver mit diesen Liebensdiensten und anderen Übungen christlicher Frömmigkeit zugebracht.

Der heilige Ignatius schickte seine Gefährten nach Rom, um vor ihrer Abreise in das heilige Land von Papst Paul III. den Apostolischen Segen zu erbitten. Bei ständigem Regen und Mangel an Nahrungsmitteln mußten sie vieles auf dieser Reise nach Rom erdulden. Xaver, von Liebe zum Leiden erfüllt, richtete seine Gefährten immer wieder auf, wenn ihre Kräfte erschöpft waren und ihr Mut zu sinken begann.

In Rom angekommen, war es Xavers erste Sorge, die Kirchen zu besuchen und sich am Grab der heiligen Apostel Petrus und Paulus dem Dienst des Evangeliums zu weihen. Danach wurden Xaver und seine Gefährten durch den spanischen Doktor Peter Ortiz, der sie von Paris aus kannte, in den Vatikan zum Heiligen Vater geführt, der sie sehr wohlwollend aufnahm, ihnen den Segen für die Reise in das Heilige Land erteilte, und denjenigen, die noch nicht Priester waren, die Erlaubnis gab, sich die heiligen Weihen von jedem jedem beliebigen katholischen Bischof spenden zu lassen. Nach Venedig zurückgekehrt, legte Xaver mit den anderen in die Hände des Päpstlichen Nuntius, Hieronymus Veralli, das Gelübde der Armut und Keuschheit ab, und übernahm dann wieder sein früheres Amt im Spital der Unheilbaren.

Der bereits ausgebrochene Krieg zwischen den Türken und Venetianern hatte den Verkehr mit dem Orient aufgehoben, so daß in diesem Jahre nicht einmal das gewöhnliche Pilgerschiff nach Jerusalem abgehen konnte. Dies war für Xaver ein überaus großer Schmerz, denn er sah sich nicht bloß der Hoffnung beraubt, die heiligen Orte, wo der göttliche Heiland gewandelt, seine Wunder gewirkt und sein Blut zur Erlösung der Menschen vergossen hatte, zu besuchen, sondern auch des Glückes, zur Verherrlichung des göttlichen Namens sein Blut zu vergießen und die Krone des Martyrertodes zu erlangen. Er bereitete sich nun zur Feier seiner ersten heiligen Messe vor. Er zog sich in einen vier Meilen von Padua entfernten Marktflecken zurück, wo er eine ganz verfallene Hütte fand, die ihm für seinen Zweck passend schien. Hier verbrachte er vierzig Tage, schlief auf der Erde, war jedem Ungemach der Witterung preisgegeben, lebte von etwas Brot, das er sich in der Umgebung erbettelte. Sein Geist aber genoß in der Betrachtung der himmlischen Wahrheiten Trost und Freude. Nach vierzig Tagen lehrte er die Unwissenden in den Dörfern und Flecken dieser Gegend, besonders in Monfelice, wo das Volk sehr roh und in den Pflichten des Christentums sehr wenig unterrichtet war. Er hielt täglich Christenlehre und seine Worte, vom Geist der Buße durchdrungen, brachten große Wirkungen hervor. So verbrachte er zwei bis drei Monate. Danach empfing er die heilige Priesterweihe mit tiefster Andacht, Ehrfurcht und Demut aus den Händen des Vinzenz Nigusanti, Bischofs von Arba. Es war der 24. Juni 1537, an dem Xaver mit der priesterlichen Würde beschenkt wurde.

Ignatius ließ schließlich seine Gefährten nach Vicenza reisen, wohin sich auch Xaver nach seiner Geistessammlung begab, um sein erstes heiliges Meßopfer darzubringen. Bei dieser heiligen Handlung vergoß er so viele Tränen, daß dies alle Anwesenden rührte.

Sein ununterbrochener Eifer in Liebesdiensten und die ihn verzehrende Glut der Frömmigkeit griff seine Kräfte und seine Gesundheit so heftig an, daß er wenige Tage nach seiner ersten heiligen Messe krank wurde und in ein Spital gebracht werden mußte. Das Spital aber war arm und mit Kranken so überfüllt, daß ihm nur die Hälfte eines sehr schlechten Bettes in einer Kammer, die von allen Seiten offen war, gegeben werden konnte. Ebenso dürftig und ärmlich war die Nahrung. Aber je größer das irdische Elend, desto reicher war der Trost des Himmels.

Xaver hatte eine ganz besondere Andacht zum heiligen Hieronymus. Immer, wenn er eine Stelle in der Heiligen Schrift nicht verstand, nahm er zu ihm seine Zuflucht. Der Heilige erschien ihm eines Nachts von himmlischem Glanz umgeben, tröstete ihn in seiner Krankheit und verkündete ihm zugleich, daß ihn noch größere Trübsal in Bologna erwarte, wo er und einer seiner Gefährten den ganzen Winter zubringen müßten. Durch diese Erscheinung fühlte sich Xaver so gestärkt, daß er bald ganz gesund wurde. Der heilige Ignatius sandte Xaver wirklich mit Bobadilla nach Bologna, ohne von der Erscheinung Xavers etwas gewußt zu haben. Sobald er in Bologna angekommen war, begab er sich zum Grab des heiligen Dominikus, um dort das Meßopfer darzubringen, weil er diesen Ordensstifter besonders verehrte.

Zunächst wohnte er im Spital. Eine fromme Jungfrau, die seine Andacht und Glut bei der Feier des heiligen Opfers sah, erkannte in ihm einen Auserwählten des Herrn und bat ihren Onkel dringend, er möge Xaver in sein Haus aufnehmen.

Dieser, Hieronymus Casalini, ein durch Geburt und Tugenden hervorragender Geistlicher, besuchte den spanischen Priester im Spital und drang in ihn, in seinem Hause zu wohnen, womit Xaver schließlich einverstanden war; aber niemand konnte ihn überreden, bei Tisch sein Gast zu sein, sondern er erbettelte sein Brot von Haus zu Haus und lebte von den Almosen, die ihm gereicht wurden.

In der Kirche der heiligen Luzia, wo Casalini Pfarrer war, feierte er die göttlichen Geheimnisse, hörte die Beichten aller Personen, die ihn darum baten, besuchte dann die Gefängnisse und Spitäler, unterrichtete die Kinder in der christlichen Religion und predigte dem Volk. Weil er in der Landessprache zu wenig bewandert war, bediente er sich einer Mischung der französischen, spanischen und italienischen Sprache; aber er sprach mit solcher Kraft und Frömmigkeit, das niemand auf seinen Akzent oder die sonstigen sprachlichen Fehler achtete. Seine Zuhörer hörten ihn wie einen Gesandten des Himmels an. Sie warfen sich nach seiner Predigt zu seinen Füßen, und baten ihn, er möge ihre Beichten hören.

Diese ununterbrochenen Anstrengungen während eines so rauhen Winters erschöpften abermals seine Kräfte, so daß er viel kranker wurde, als zuvor, womit sich die Prophezeiung des heiligen Hieronymus bestätigte. Denn ein bösartiges, hartnäckiges, viertägiges Fieber schwächte ihn und ließ ihn so sehr abmagern, daß er nur noch einem Knochengerippe glich. Jedoch erschien er, ungeachtet dieser Schwäche, auf den öffenlichen Plätzen, um die Vorübergehenden zur Buße zu mahnen. Wenn ihm vor Schwäche die Stimme brach, so sprach statt seiner - als ein Bild des Todes - sein blasses Gesicht, und schon seine Gegenwart brachte wunderbare Früchte hervor.

Hieronymus Casalini machte sich die Unterweisungen und Beispiele des heiligen Mannes wohl zu Nutze, so daß er in kurzer Zeit zu einer hohen Stufe der Heiligkeit gelangte. Er beobachtete den heiligen Xaver überall. Und von diesem tugendhaften Geistlichen weiß man, daß Xaver den ganzen Tag arbeitete und die Nacht im Gebet verbrachte; daß er an Freitagen, an denen er die Votivmesse vom heiligen Leiden Christi las, viele Tränen vergoß und oft in Ekstase geriet, daß er zwar wenig sprach, aber alle seine Worte voll Geist und Frömmigkeit waren.

Während dieser Beschäftigungen wurde Xaver von Pater Ignatius, der bereits dem Heiligen Vater seine und seiner Gesellschaft Dienste angeboten hatte, nach Rom berufen. Paul III. nahm diese neuen Arbeiter gerne an und wollte, daß sie in Rom unter der Autorität des Heiligen Stuhles ihre Predigten beginnen sollten. Die wichtigsten Kirchen wurden ihnen als als ihr Arbeitsfeld zugewiesen; Xaver erhielt die Kirche des heiligen Laurentius in Damaso.

Sobald ihn das viertägige Fieber verlassen hatte und er wieder zu Kräften gekommen war, begann er mit neuem Eifer und mitreißender Beredsamkeit seine Predigten. Der Tod, das Gericht und die Hölle waren die gewöhnlichen Gegenstände seiner Vorträge. Diese schrecklichen Wahrheiten trug er er einfach, aber auf eine so ergreifende Weise vor, daß das Volk, das in großer Zahl hinzuströmte, um ihn zu hören, immer in tiefem Stillschweigen die Kirche verließ, und mehr daran dachte, sich zu Gott zu bekehren, als den Prediger zu loben.

Die Hungersnot, die damals Rom heimsuchte, gab den zehn Patres Gelegenheit, das Elend einer großen Menge Unglücklicher, die ohne Hilfe auf den öffentlichen Plätzen der Stadt dahindarbten, zu lindern. Xaver war der Eifrigste, wenn es darum ging, die entlegensten Orte aufzusuchen und Almosen zu erbitten, um sie zu unterstützen. Er nahm sie auf seine Schultern, trug sie in die für sie bestimmten Häuser und erwies ihnen jeden möglichen Dienst.

Govea, ein Portugiese, ehemaliger Vorsteher des Kollegiums zur heiligen Barbara in Paris, war unterdessen mit wichtigen Aufträgen des Königs Johann III. nach Rom gekommen, und hatte sich von den großen Erfolgen überzeugt, die die Patres in der Haupstadt der Christenheit durch ihren Eifer, ihr Gebet und ihr Beispiel zuwege brachten. Er schrieb seinem König, daß so wohlunterrichtete, demütige, liebevolle, eifrige, unermüdliche, leidensbereite Männer, die nichts als die Ehre Gottes suchten, völlig geeignet seien, den Glauben nach Ostindien zu tragen; er merkte aber auch an, daß man sich, um diesen Zweck zu erreichen, an das Oberhaupt der Kirche wenden müsse, dem sie sich bedingungeslos zur Verfügung gestellt hätten.

König Johann III., ein gottesfürchtiger Monarch, war über diese Nachricht sehr erfreut. Er beauftragte sogleich seinen Gesandten, Don Pedro Mascarenhas, sich an den Heiligen Vater zu wenden, um wenigstens sechs dieser Männer zu erhalten. Sobald der Heilige Vater den Vorschlag Mascarenhas vernommen hatte, überließ er die Auswahl dem heiligen Ignatius, der bei ihm in hohem Ansehen stand. Ignatius antwortete Mascarenhas, daß er ihm von den zehn Männern nur zwei geben könnte; und er nannte den Portugiesen Simon Rodriguez und den Spanier Nikolaus Bobadilla. Rodriguez machte sich sofort auf den Weg nach Lissabon. Bobadilla, der erst mit dem Gesandten abreisen sollte, wurde aber bald nach seiner Ankunft in Rom von einem Fieber befallen, so daß er nicht imstande war, die Reise anzutreten. Der heilige Ignatius wollte ihn nun durch jemand anderen ersetzen, und er erkannte, von Gott erleuchtet, daß Franz Xaver das auserwählte Werkzeug Gottes sei. Sogleich ließ er ihn zu sich kommen und sagte ihm, vom Geist Gottes erleuchtet: "Xaver, ich habe Bobadilla für Indien ernannt - aber heute ernennt der Himmel dich, und dies verkündige ich dir im Namen des Statthalters Jesu Christi. Nimm das Amt, mit dem dich Seine Heiligkeit durch mich betraut, so auf dich, als wenn Jesus Christus selbst es dir gäbe, und freue dich, daß du die Gelegenheit hast, dem großen Verlangen zu genügen, das wir alle hegen, den Glauben über die Meere zu tragen. Es ist nicht nur Palästina, nicht eine Provinz Asiens, sondern es sind unermeßliche Länder, unzählige Reiche, es ist eine ganze Welt; nur ein so weites Feld entspricht deinem Eifer und deinem Mut. Gehe dorthin, mein Bruder, wohin dich die Stimme Gottes ruft, wohin dich der Heilige Stuhl schickt, und entzünde alles mit dem Feuer, das in dir brennt."

Wegen dieser Worte des Ignatius war Xaver tief beschämt und gerührt; und mit Tränen in den Augen sagte er demütig zu ihm, es wundere ihn sehr, wie man einen so schwachen Menschen dafür in Erwägung ziehen könne, und ihm ein Amt anvertraue, für das man ein Apostel sein müsse. Er sei aber bereit, den Befehlen des Himmels zu gehorchen und alles zu tun und zu leiden, was dem Heil der Inder förderlich sei. Dann aber ließ er der Freude Raum, die er tief in seiner Seele empfand, und sagte voll Vertrauen zu Pater Ignatius, daß seine Wünsche erfüllt seien, denn schon lange habe er sich nach Indien gesehnt, und er hoffe nun dort die Gnade zu erlangen, die ihm für das Heilige Land verweigert wurde: nämlich für Jesus Christus zu sterben.

Voll Freude fügte er hinzu, daß ihm jetzt alles deutlich sei, was ihm Gott bisher unter verschiedenen geheimnisvollen Bildern gezeigt habe. Xaver hatte nämlich nachts öfter geträumt, er trage auf seinen Schultern einen großen Mohr, und diese Träume hätten ihn so ermüdet, daß er im Schlaf große Pein erlitt und außer Atem kam, so daß jene, die bei ihm in selben Zimmer schliefen, durch sein Seufzen aufwachten. Als einmal in einer Nacht Peter Laynez aufwachte, fragte er ihn nach der Ursache seiner Klagen, woraufhin Xaver ihm den Traum erzählte. Ein anderes Mal sah er in einem Traumgesicht unermeßliche Meere mit schroffen Felsen und sturmbewegten Wellen, wüste Inseln, von wilden Menschen bewohnte Länder, und überall Hunger, Durst und Not, dazu unendlich viel Arbeit, blutige Verfolgungen und Todesgefahren. Bei diesem Anblick rief er aus:"Noch mehr, o Herr, noch mehr!" Pater Simon Rodriguez, der diese Worte deutlich hörte, fragte ihn, was sie bedeuten sollten, aber erst als er sich nach Indien einschiffte, beantwortete er ihm seine Frage.

Xaver hatte die Sendung nach Indien erst einen Tag vor der Abreise des Gesandten Mascarenhas erfahren; nur soviel Zeit blieb ihm übrig, sein Unterkleid ausbessern zu lassen, seinen Freunden Lebewohl zu sagen und sich vom Heiligen Vater den Segen zu erbitten.

Paul III. war hoch erfreut, zu sehen, daß sich unter seinem Pontifikat die Tore Indiens öffneten; er empfing Xaver mit seiner ganzen väterlichen Güte und ermahnte ihn, sich einer so hohen Bestimmung würdig zu machen und mutig der ewigen Weisheit zu vertrauen, die uns immer Kraft gibt, die uns anvertrauten Ämter zu erfüllen, selbst wenn sie über die menschlichen Kräfte zu gehen scheinen; er werde viele Leiden erdulden müssen, sagte er, weil Gottes Sache nur auf dem Weg des Kreuzes gedeihen könne, und wolle man die Ehre des Apostelamtes übernehmen, so müssen man auch den Spuren der Apostel folgen, deren Leben fortwährendes Kreuz und Leiden gewesen sei. Der Himmel sende ihn auf den Spuren des heiligen Apostels Thomas zur Eroberung der Seelen; er solle mutig arbeiten, den Glauben in jenen Ländern, wo ihn dieser große Apostel gepflanzt hatte, wieder zu beleben, und sollte er sein Blut für die Ehre Jesu Christi vergießen müssen, so solle er sich glücklich schätzen, als Martyrer sterben zu können.

Diese Worte aus dem Mund des Statthalters Jesu Christi machten auf den Geist und das Herz Franz Xavers einen solchen Eindruck, als wenn Gott selbst gesprochen hätte. Diese Worte erfüllten ihn mit göttlicher Kraft; und in seinen in tiefster Demut gegebenen Antworten zeigte er eine solche Seelengröße, daß Paul III. schon damals ein sicheres Vorzeichen all der wunderbaren Ereignisse zu sehen meinte, die in der Folge eintraten. Der Heilige Vater wünschte ihm den besonderen Schutz Gottes, umarmte ihn mehr als einmal und erteilte ihm den Apostolischen Segen.

Xaver verließ nun Rom mit dem portugiesischen Gesandten Mascarenhas am 16. März 1540. Sein Besitz bestand in einem Brevier. Er warf sich dem heiligen Ignatius zu Füßen und bat ihn um seinen Segen. Als er danach Abschied von Laynez nahm, übergab er ihm eine kleine Schrift, die er selbst aufgezeichnet und unterschrieben hatte. Diese Schrift wird noch in Rom aufbewahrt. Darin heißt es, daß er die Regel und die Konstitutionen billige, welche Ignatius und seine Gefährten entwerfen würden, daß er Ignatius und im Fall, daß dieser verhindert wäre, Peter Faber zum Generaloberen wähle; daß er sich durch die drei Gelübde des beständigen Gehorsams, der Armut und der Keuschheit Gott als Mitglied der Gesesllschaft Jesu weihe für die Zukunft, wenn sie durch Apostolische Vollmacht zu einem geistlichen Orden erhoben werden würde. Letzeres geschah noch vor Ende des Jahres (27. September) auf eine wunderbare Weise, wie in der Lebensbeschreibung des heiligen Ignatius ausführlich erzählt wird.

Die Reise nach Lissabon wurde zu Fuß zurückgelegt. Xaver erhielt von dem Gesandten ein Pferd, das er aber während der ganzen Reise zur allgemeinen Verfügung der Reisegesellschaft stellte. Er versah die niedrigsten Dienste, er half überall, wo er helfen konnte, und bemühte sich, die Anwesenden durch sein Wort und sein Beispiel zu erbauen. Ihre Reise ging durch Loreto, wo sie mehr als acht Tage verweilten; dann setzten sie ihren Weg über Bologna fort. Von Bologna aus schrieb Franz Xaver einen Brief an Ignatius.

Die ganze Stadt Bologna geriet bei der Durchreise Xavers in Bewegung. Alle liebten und verehrten ihn wie einen Apostel. Groß und Klein wollte ihn sehen; die meisten eröffneten ihm ihren Gewissenszustand; mehrere wollten mit ihm nach Indien reisen, alle weinten bei seiner Abreise, weil sie dachten, ihn nie wiederzusehen. Der Pfarrer von St. Lucia, Hieronymus Casalini, zeigte sich aus diesmal als Freund. Xaver mußte bei ihm wohnen, und in seiner Kirche hörte Xaver zahllose Beichten.

Auf der Reise nach Lissabon ereigneten sich einige denkwürdige Vorfälle, die wie hier nicht unerwähnt lassen können. Ein Diener des Gesandten, der überall für die Unterkunft der Reisenden zu sorgen hatte, der aber ein heftiger, aufbrausender Mensch war, hatte von seinem Herrn Verweise erhalten, weil er in seinem Dienst nachlässig gewesen war. Darüber war er so aufgebracht, daß er, sobald sich der Gesandte entfernt hatte, in höchste Wut geriet. Xaver, der ihn hörte, sagte zunächst nichts, um ihn nicht noch mehr zu reizen. Als aber dieser Mensch am nächsten Morgen gewohnheitsgemäß vorausritt, setzte ihm Xaver nach und traf ihn nach kurzer Zeit an, als er unter seinem von einem hohen Felsen herabgestürzten Pferd lag."Unglücklicher", sagte er zu ihm, "was wäre aus dir geworden, wenn du durch diesen Sturz gestorben wärst?" Diese wenigen Worte öffneten dem leidenschaftlichen Menschen die Augen, und er bat Gott mit reumütigem Herzen um Verzeihung. Xaver stieg dann von seinem Pferd, setzte ihn darauf, und führte ihn bis zur Herberge.

Als eines Tages der Stallmeister des Mascarenhas über einen schmalen, aber ziemlich tiefen und reißenden Fluß reiten wollte, riß ihn der Wasserstrom samt dem Pferd fort und alle glaubten, er sei verloren. Erschüttert von der Gefahr, in der das Heil dieses weltlich gesinnten Menschen schwebte, der früher von Gott zum Ordensstand berufen worden, aber dem Zug der Gnade nicht gefolgt war, fing er an, für ihn zu beten; auch der Gesandte, der ihn sehr liebte, und alle seine Leute beteten. Kaum hatten sie den Himmel um Hilfe angerufen, als sogleich Mann und Roß, die schon daran waren, zu ertrinken, wieder aus dem Wasser emporkamen und an das Ufer getrieben wurden.

Der Gesandte und alle seine Leute zweifelten nicht, daß dieser Mensch durch das Gebet des Heiligen gerettet worden sei. Xaver jedoch schrieb darüber bei seiner Ankunft in Lissabon am 3. Juli 1540 an die Väter und Brüder der Gesellschaft Jesu nach Rom: "Gott, der Herr, erhörte die innigen Gebete, die der Gesandte mit seinem ganzen Gefolge für den Unglücklichen verrichtete, der unfehlbar verloren schien. Durch ein offensichtliches Wunder entging er dem sicheren Tod in den Fluten."

Als die Reisenden Frankreich bereits verlassen hatten und bei Navarra über die Pyrenäen gegangen waren, kamen sie in die Nähe des Schlosses Xavier. Der Gesandte wies ihn darauf hin, er solle diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, und seine Mutter und Verwandten besuchen, um ihnen das letzte Mal ein Lebewohl zu sagen. Aber der Heilige wollte die Straße nicht verlassen, sondern setzte seine Reise fort und antwortete Mascarenhas, er wolle das Wiedersehen mit seinen Eltern und Verwandten auf ihre Zusammenkunft im Himmel verschieben, denn jetzt würde eine Begegnung nur Traurigkeit verursachen, im Himmel dagegen werde er ewig mit seinen Lieben vereint werden und bleiben.

Von diesem Beispiel der gänzlichen Lostrennung von der Welt und allen ihren Freuden wurde der Gesandte zutiefst bewegt und entschloß sich, sich ganz Gott hinzugeben.

Gegen Ende des Monats 1540 kamen sie in Lissabon an. Die Reise hatte drei Monate gedauert. Sofort bei seiner Ankunft suchte Franz Xaver im Spital Allerheiligen den Simon Rodriguez auf, der sich dort ganz vom Fieber entkräftet befand. Eben zeigten sich bei Rodriguez wieder alle Anzeichen eines neuen Anfalls dieser regelmäßig wiederkehrenden Krankheit, als Xaver eintrat und ihn umarmte. Die Freude darüber war so groß, daß ihn die Schwäche ganz verließ, und er dann nie mehr einen Anfall erlitt, wie Xaver selbst in einem Brief an Ignatius schreibt.

Drei oder vier Tage nach ihrer Ankunft in Lissabon wurden beide an den Hof gerufen. Der König und die Königin empfingen sie sehr freundlich. Sie fragten, schreibt Xaver, wodurch wir veranlaßt worden seien, uns in eine neue Gesellschaft zusammenzuschließen. Besonders erfreut waren sie über die Art und Weise, wie bei unserer Verfolgung schließlich die Wahrheit ans Licht kam. (Xaver spricht hier von der Verfolgung der Gesellschaft in Rom.)

Der König ließ unterdessen seine beiden Kinder kommen, den Infanten Don Johann und die Infantin Maria, und stellte sie den beiden Missionaren vor. Ehe diese sich entfernten, ersuchte sie der König, die Seelsorge über die hundert Edelknaben zu übernehmen. Er wollte ihnen eine anständige, bequeme Wohnung geben. Aber sie blieben während ihres gesamten Aufenthaltes im Spital. Sie wollten nicht einmal die Kosten des Lebensunterhaltes annehmen, sondern lebten von Almosen, um die sie Leute baten, und in Armut. Xaver unterrichtete die jungen Menschen am Hof, bediente Tag und Nacht die Kranken im Spital, besuchte die Gefangenen und trug den Kindern den Katechismus vor. Er wollte anfangs nicht in den Kirchen Lissabons predigen; erst auf Zureden des Königs und den Wunsch des Erzbischofs von Lissabon ließ er sich dazu bestimmen.

Xaver erhielt während seines Aufenthaltes in Lissabon mehrere Briefe von Martin von Azpilcuete, bekannter unter dem Namen Navarrus oder Doctor von Navarra, der mütterlicherseits ein Onkel Xavers und der wichtigste Lehrer der Theologie auf der Universität von Coimbra war. Er schrieb dem König sogar, seinen Neffen nach Coimbra zu schicken. Xaver weigerte sich jedoch standhaft, dorthin zu reisen. Weil ihm sein Onkel seine Besorgnis wegen der von ihm angenommenen Lebensweise ausgesprochen hatte, antwortete ihm Xaver: "Sie fügen in Ihrem Brief hinzu, daß man allerlei Gerüchte über unser Institut verbreitet. Ich antworte für jetzt nur folgendes: Es liegt wenig daran, hochzuverehrender Herr Doktor, von Menschen gerichtet zu werden, zumal von solchen, die über eine Sache urteilen, noch bevor sie dieselbe kennen."

Unter sichtlichem Segen setzten die beiden apostolischen Missionare ihre Arbeiten in Lissabon fort. Überall zeigte sich größerer Eifer, die heiligen Sakramente wurden öfter empfangen, und Leute, die ihre Bekehrung ständig von einem Tag auf den anderen verschoben hatte, entsagten der Welt ganz, Todfeinde versöhnten sich miteinander und die schamlosesten Dirnen ließen von ihrem schändlichen Tun ab und führten ein ehrbares Leben. Am Hof selbst war eine Lebensveränderung eingetreten. Das Beispiel des Königs hatte hier vieles bewirkt.

Nicht bloß der König und die Königin waren den beiden Missionaren zugetan, sondern auch der Infant Don Heinrich, der Großinquisitor war, achtete sie hoch und ermächtigte sie zum freien Zutritt in die Gefängnisse.

Einige der Vornehmsten bei Hofe erbaute der apostolische Lebenswandel Xaviers und Rodriguez' so sehr, daß Xaver darüber oft in Besorgnis geriet, weil er glaubte, zuviel Glück sei selbst bei den heiligsten Unternehmungen gefährlich, Verfolgung aber heilsam.

Bewegt von den wunderbaren Bekehrungen wollte der König diese Apostel in seinem Reich zurückhalten. Er trug seine Absicht dem Staatsrat vor, der ganz derselben Meinung war, ausgenommen der Infant Don Heinrich, der nachdrücklich erklärte, daß es ihm gewissermaßen ein Eingriff in die Fügungen des Himmels zu sein scheine, wenn man Xaver und Rodriguez, nachdem sie vom Statthalter Christi für Indien bestimmt seien, zurückhalten wolle. Ungeachtet der vorgebrachten Gründe wurde dennoch beschlossen, die beiden Missionare zurückzuhalten - ein Umstand, der die Missionare sehr betrübte. Sie konnten in dieser Lage nichts anderes tun, als dem Pater Ignatius zu schreiben und Hilfe bei ihm zu suchen. Er trug diese Sache dem Papst vor, der aber darüber nicht entscheiden wollte, sondern es dem portugiesischen Hof überließ, was er tun wollte. Ignatius schrieb an Mascarenhas und schlug einen Mittelweg ein, indem er ihm vorschlug, man könnte Rodriguez für Protugal zurückbehalten, Xaver aber nach Indien reisen lassen. Der König billigte diesen Vorschlag. Xaver wurde bei dieser Nachricht mit tiefer Freude erfüllt, lobte und pries Gottes Güte, die ihn von neuem für die indische Mission auserwählt hatte.

5. Folge

Als die Zeit zur Abreise gekommen war, wurde er an den Hof gerufen. Der König unterhielt sich lange mit ihm über den Zustand Indiens, legte ihm ans Herz, daß er gelegentlich an seinen Minister schreiben solle, und übergab ihm schließlich die Breven des Papstes. Im ersten ernannte der Papst Xaver zum Apostolischen Nuntius Indiens, im zweiten erteilte er ihm weite Vollmachten, um den Glauben im ganzen Morgenland zu verbreiten und zu erhalten, im dritten empfahl er ihn dem Kaiser David von Äthiopien (Abessinien), im vierten allen Fürsten, die vom Kap der Guten Hoffnung bis an den Ganges herrschten.

Einige Tage vor der Einschiffung verlangte Don Anton von Ataide, Graf von Castannora, der die Oberaufsicht über die Vorräte der Seetruppen hatte, von Xaver ein Verzeichnis seiner Reisebedürfnisse, weil es der Wille des Königs sei, daß an nichts Mangel leide. Aber Xaver antwortete lächelnd: "Wer nichts braucht, leidet keinen Mangel. Ich bin dem König für seine Freigiebigkeit und Dir für Deine Fürsorglichkeit sehr dankbar, aber noch mehr bin ich der Vorsehung verpflichtet, und du kannst sicher nicht wollen, daß ich ihr mißtrauen soll." Ungeachtet der Vorstellungen, die man ihm machte, nahm er doch nichts mit als einige Andachtsbücher zum Gebrauch der Neubekehrten in Indien, und noch ein Gewand von grobem Tuch zum Schutz gegen Sturm und Kälte.

Als man in ihn drang, doch einen Diener anzunehmen, erwiderte der Heilige: "So lange ich zwei Hände habe, bedarf ich keines anderen Dieners." "Aber", versetzte der Graf, "der Anstand erfordert dies; du bekleidest eine Würde, die du nicht herabsetzen darfst; es würde einem Nuntius übel anstehen, wenn er selbst in einer Ecke des Schiffs seine Kleider waschen, selbst seine Speisen bereiten würde." Jedoch Xaver entgegnete: "Ich hoffe mich und andere zu bedienen, ohne meine Würde zu entehren. Wenn ich nur nichts Böses tue, dann fürchte ich weder, meinen Mitmenschen Anstoß zu geben, noch der Würde zu nahe zu treten, die der Heilige Stuhl mir übertragen hat. Dieses Streben nach menschlicher Ehre und diese falschen Begriffe von Wohlanständigkeit waren es größtenteils, die die Kirche in den Zustand versetzt haben, in dem wir sie gegenwärtig sehen."

Endlich kam der Tag der Abreise. Paul von Camerino, ein Italiener, und Franz Mansilla, ein Portugiese, der noch nicht Priester war, waren seine Gefährten auf der Überfahrt nach Indien. Simon Rodriguez begleitete ihn bis zur Flotte. Xaver umarmte ihn und sprach: "Ich will dir zum Trost ein Geheimnis mitteilen, das ich dir bis jetzt verschwiegen habe. Du erinnerst dich, daß du mich, als wir in einem Spital in Rom waren, rufen hörtest: 'Noch mehr, o Herr, noch mehr!' Du hast mich oft gefragt, was dies bedeute, und ich habe dir jedesmal geantwortet, du sollst dir deswegen keine Sorgen machen. Jetzt sollst du wissen, daß ich damals alles sah, was ich für die Ehre Jesu Christi leiden solle. Unser Heiland verlieh mir einen solchen Geschmack an den Leiden, daß ich, als die mir dargebotenen mich nicht sättigen konnten, noch mehr verlangte."

Die beiden Männer umarmten sich noch einmal und schieden dann voneinander mit Tränen in den Augen. Am 7. April 1541 wurden die Anker gelichtet. Es war an Xavers Geburtstag, an dem er in sein 36. Lebensjahr eintrat. Acht Monate war er in Lissabon gewesen und mehr als sieben Jahre war er ein Jünger des heiligen Ignatius. So verließ nun Xaver Europa, um nie wieder zurückzukehren.

Drittes Kapitel

Franz Xavers Reise nach Goa - Anfang seines Apostelamtes daselbst - Erfolg seiner Bemühungen - Xaver unter den Paravas - Die Brahmanen - Seine Reise ins Innere des Landes

Franz Xaver betrachtete alle, die sich auf dem Schiff befanden, als zur ihm anvertrauten Herde gehörend. Mit jedem wollte er sich unterhalten. Mit den Matrosen sprach er vom Seewesen, mit den Soldaten vom Krieg, mit den Kaufleuten vom Handel und mit den Vornehmen von Staatsangelegenheiten. Sein heiteres und freundliches Wesen gewann ihm die Herzen aller; selbst rohe und verdorbene Menschen fanden Vergnügen an seiner Unterhaltung, und hörten ihn auch an, wenn er in seinem gewohnten Eifer von Gott und göttlichen Dingen sprach. Er unterrichtete die Matrosen in den Grundlehren des Christentums, und predigte an jedem Sonn- und Feiertag am Fuß des großen Mastbaums stehend. Allen wollte er alles werden, um alle für Christus zu gewinnen. Infolge der unerträglichen Kälte am grünen Vorgebirge und der außerordentlichen Hitze an den Küsten von Guinea entstanden mancherlei bösartige und ansteckende Krankheiten. Die Gesunden hatten eine solche Furcht und einen solchen Abscheu vor denselben, daß die Kranken ganz verlassen gewesen wären, wenn sich nicht Pater Franz ihrer angenommen hätte.

Er bediente sie, wischte ihnen den Schweiß ab, reinigte ihre Geschwüre, wusch ihre Kleider, und bemühte sich, sie zu einem christlichen Tode vorzubereiten. Er dankte Gott dafür, daß er ihm die Gnade gegeben, auf seinen Reisen Menschen zu finden, denen er die Geheimnisse verkündigen und das Sakrament der Buße spenden könne.

Wegen seiner Anstrengungen litt er selbst an stetem Erbrechen und großer Entkräftung. Bei Nacht schlief er auf dem Verdeck, und die Schiffseile waren sein Kopfkissen. Sandte ihm der Vizekönig Speisen von seiner Tafel zu, so verteilte er sie unter die Kranken, die einer kräftigeren Nahrung bedurften.

Die Reise setzte sich unter Stürmen zwischen Klippen und strömendem Wasser fünf Monate ununterbrochen bis Ende August fort, wo sie auf einer Insel an der Ostküste Afrikas, Mozambique genannt, landeten.

Die Einwohner von Mozambique, größtenteils Mohammedaner, standen mit den Arabern und Äthiopiern in Handelsverbindungen. Hier wurde überwintert. Nach Landung des Schiffes wurden die Kranken in das Spital der Portugiesen gebracht. Xaver folgte ihnen; neuer Eifer schien ihn zu beleben; er eilte von einem Saal zum anderen, reichte dem einen Arznei und spendeten dem anderen die Sterbesakramente. Jeder wollte ihn bei sich haben, denn alle versicherten, der bloße Anblick dieses frommen Mannes sei ihnen heilsamer als jede Arznei.

Den ganzen Tag brachte er bei den Kranken zu, nachts wachte er bei ihnen oder legte sich zu einem Todkranken ins Bett, um nur eine kurze Ruhe genießen zu können. Doch sein Schlaf dauerte nicht lange; jeder Klagelaut, jeder Seufzer weckte ihn auf und er eilte dem Kranken sogleich wieder zu Hilfe.

Solchen unausgesetzten Anstrengungen mußte Xaver unterliegen; er wurde von einem heftigen, bösartigen Fieber befallen, so daß man ihn sieben Mal nacheinander zur Ader lassen mußte und er drei Tage lang besinnungslos dalag. Man wollte ihn aus dem Spital bringen, aber er weigerte sich, indem er sagte, er wolle unter den Armen sterben. Sobald ihn das Fieber verlassen hatte, mußte er die Seereise aufs Neue antreten. Da nicht alle Kranken gesund waren, mußten Paul von Camerino und Franz Mansilla in Mozambique zurückbleiben und die Kranken pflegen. Nach einem Aufenthalt von sechs Monaten schifften sie sich am 15. März 1542 auf einem leichteren Schiff ein. Sie fuhren also nicht mehr auf dem Schiff St. Jakob, auf dem sie gekommen waren. Bouhours bemerkt in seiner Lebensbeschreibung des heiligen Xaver, daß die Gabe der Weissagung des Heiligen nach dem Zeugnis seiner Reisegefährten sich zuerst kundgetan habe, als von diesem Schiff St. Jakob die Rede war. Da nämlich dieses Schiff als eines der stärksten gerühmt wurde, sagte er zu den Anwesenden, daß dieses Schiff ein trauriges Ende nehmen würde, und es strandete wirklich an einer Klippe bei Salsette, wo es vollständig zugrunde ging.

Das Schiff, auf dem Xaver war, hatte so günstigen Wind, daß es in zwei bis drei Tagen Melinde auf der Küste von Afrika erreichte. Melinde ist eine Seestadt und gehört den Sarazenen, mit denen die Portugiesen in gutem Einvernehmen standen, weil der Handelsverkehr beide Länder in Eintracht erhielt. Nahe bei der Stadt hatten die Portugiesen einen Gottesacker, auf dessen Gräbern sich viele kleine Kreuze befanden. In der Mitte stand ein schönes, steinernes, ganz vergoldetes Kreuz. Dieser Anblick rührte den Heiligen zu Tränen. Er empfand den süßesten Trost, das Kreuz, das Siegeszeichen, inmitten seiner Feinde aufgepflanzt zu sehen.

Nachdem der Heilige sein Gebet auf dem Gottesacker verrichtet hatte, kam ein vornehmer Sarazene, und fragte Xaver, ob denn auch in den Städten Europas die Gottesfurcht so erkaltet sei wie in Melinde, und ob die Christen ihre Kirchen dort besser besuchen würden; "denn", fügte er hinzu, "von den siebzehn Moscheen, die wir besitzen, stehen vierzehn leer; drei sind noch in Gebrauch, doch auch diese werden nur von wenigen besucht. Dies kommt ohne Zweifel von irgendeiner großen Sünde her, die wir begangen haben; doch weiß ich nicht, welche dies sei, und kann mir nicht denken, wie sehr ich auch darüber nachsinne, was der Grund eines solchen Unheils sein könnte." Xaver antwortete ihm: "Gott, der das Gebet von Ungläubigen verabscheut, läßt einen Kult untergehen, der ihm mißfällt, und gibt euch dadurch zu erkennen, daß euer Glaube nicht der wahre sei."

Als sie noch miteinander stritten, kam ein Kazike oder Lehrer des Gesetzes, der sagte, wenn Mohammed nicht in den nächsten zwei Jahren erscheine, so werde er seine Religion verlassen.

Nach einem Aufenthalt von mehreren Tagen verließen sie Melinde, fuhren die afrikanischen Küsten entlang und landeten bei Sokotora gegenüber der Meerenge von Mekka.

Es handelt sich bei diesem Text um die von Paolo D'Angona stilistisch leicht überarbeitete Wiedergabe des Buches Leben des heiligen Franz Xaver, Apostels von Indien und Japan, von W. Reithmeier, neu bearbeitet von I. Firnstein, Benefiziat in Ebrantshausen. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz, 1881


Aus der Missionsgeschichte: Verschollen in der Südsee

Personen
(Auswahl)

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Marescotti J.
Manning H. E.
Marillac L.
Maritain J.
Martin Konrad
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Mixa Walter
Mogrovejo T.A.
Moltke H. v.
Montalembert
Montecorvino J.
Moreno E.
Moreno G. G.
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Muttathu-padathu
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Paschalis II.
Pieper Josef
Pignatelli G.
Pius XI.
Postel M. M.
Poullart C. F.
Prat M. M.
Prümm Karl
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Quidort
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Ragueneau P.
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Reinbold W.
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Ruysbroek
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